Die Argumente in Kürze
Der Lateinunterricht ermöglicht auf einzigartige Weise Sprachbetrachtung und schafft Sprachbewusstsein, eine Dimension, die im Europäischen Sprachenportfolio unterschätzt wird, für das gymnasiale Sprachenlernen aber wichtig ist.
Der Lateinunterricht ermöglicht ein Einüben in Technik und Kunst des Übersetzens ins Deutsche und fördert dabei auch die Sprachkompetenz in Deutsch.
Das im Lateinunterricht erworbene Sprachbewusstsein verhilft nicht nur zu einem besseren Deutsch, es entlastet auch den Sprachunterricht in den modernen Sprachen von Theorie. Der Lateinunterricht ermöglicht auf hervorragende Weise das Erarbeiten eines theoretisch reflektierten Sprachmodells, das keiner Erstsprache der Schülerinnen und Schüler entstammt. Er fördert so die Chancengleichheit und Integration von Schülerinnen und Schülern unterschiedlicher Muttersprache. Der Lateinunterricht unterstützt den in einer globalisierten Welt notwendigen effizienten Erwerb vieler Sprachen.
In Deutschland und Österreich ist Latein nach Französisch und Englisch die meist gewählte Sprache im Gymnasium. Die Kinder im Bildungsraum der NWCH werden durch Latein an den mitteleuropäischen Bildungskanon angeschlossen. Die Migration von Familien in diesem Raum nimmt stark zu. Im «Bolognaraum» treffen unsere Schülerinnen und Schüler auf klassisch gebildete Mitstudentinnen und Studenten. Der Lateinunterricht fördert ein Verständnis kultureller Formen und Institutionen der globalen Kultur. Es handelt sich um Errungenschaften, die Europa bzw. die Neue Welt seit der Aufklärung aus der römischen Kultur übernommen haben. Diese ist in Latein dokumentiert. Das gemeinsame kulturelle Erbe bzw. der Kulturwortschatz umfassen nicht nur Europa, sondern den ganzen Mittelmeerraum und die lateinamerikanischen Länder. Der Lateinunterricht erschliesst die in dieser Sprache abgefassten grundlegenden Texte des europäischen Denkens – Ur-Kunden, auf denen Europa aufbaut – und so auch die damit verbundenen Denkmuster, welche die Kultur Europas bis heute stark prägen.
Der Lateinunterricht erschliesst den Code des europäischen Kulturschaffens, da Künstler bis in die Gegenwart Motive aufgreifen, welche die Antike geformt und in den europäischen Kulturstrom hineingegeben hat. Der Lateinunterricht ist auch eine Einführung in Interdisziplinarität heutiger Wissenschaft und erste Begegnung für künftige Akademiker mit dem Wert des scheinbar «Nutzlosen» bzw. dem indirekt Nutzbaren in der Wissenschaft analog der Grundlagenforschung.
