Und auch Universitäten haben erkannt, dass sie mit den Lateinschülerinnen und -schülern die besseren Studierenden bekommen. So vergibt die Medizinische Fakultät der Martin Luther Universität in Halle-Wittenberg ab dem Wintersemester 2008 Bonuspunkte für Studienbewerber, die Kenntnisse in Latein und Griechisch nachweisen. «Damit setzen wir ein Zeichen, dass wir bei der Auswahl angehender Ärzte nicht nur auf naturwissenschaftliche Kenntnisse Wert legen, sondern auch auf humanistische Bildung.» So kommentierte der Dekan dieser Fakultät die neue Regelung. (NZZ, 8. September 2008)
Latein fördert Jugendliche mit Migrationshintergrund
Latein gilt als elitär. Zu unrecht. Denn es hat grosses Förderpotenzial und leistet damit einen Beitrag zur Chancengleichheit. So zeigt ein Beispiel aus Berlin:
Fünf Minuten brauchen die 15 Jungen und Mädchen, um mehr oder weniger ruhig auf ihren Plätzen zu sitzen. «Salve magistra cara!» – ertönt es im Chor. Die Siebtklässler begrüssen ihre «teure Lehrerin» Barbara Stalinski, Fachleiterin für Latein am Ernst-Abbe-Gymnasium (EAG) in Berlin-Neukölln. Laut Unterrichtsplan lernen sie bei ihr die zweite Fremdsprache nach Englisch. Eigentlich ist es schon ihre dritte, denn fast alle der Schüler haben einen türkischen, arabischen oder persischen Migrationshintergrund, Deutsch ist nicht ihre Muttersprache …
Sprachförderung ist am EAG eine der zentralen Aufgaben. … Über das altsprachliche Vehikel wird den Schülern die deutsche Sprache nähergebracht. Von 494 Schülern lernen über 60Prozent Latein, knapp ein Drittel aller Abiturienten schliessen die Schule mit dem Latinum ab. «Die Deutschkenntnisse der Elftklässler mit Migrationshintergrund, die Latein hatten, überragen die derjenigen ohne Latein deutlich», sagt Schulleiterin Birgit Nicolas. «Wissenschaftlich ist das nicht belegt, aber das Kollegium ist sich einig.»
Denn bei Latein komme es, anders als bei Englisch oder Deutsch, nicht auf die schnelle Fähigkeit zur Kommunikation, sondern auf die Analyse an. «Die Kinder können sich nicht, wie im Alltag, vor schwierigeren Satzkonstruktionen drücken», erklärt Stalinski. «Sie müssen die Struktur durchdringen; wenn sie das System einmal begriffen haben, ist Deutsch viel leichter.» Es gehe um den bewussten Sprachumgang. Der führt zum Erfolg. (Weltonline, 5. Februar 2008, Ausschnitte aus dem Artikel)
New York Times:
Steigende Lateinzahlen auch in Amerika »
Die Welt, 5.2.08:
Der Lateintrick – Wie Ausländern an einer Berliner Musterschule die deutsche Sprache nähergebracht wird
