Evaluation der ETH Basisprüfung
«Wer Latein hatte, ist auch an der ETH gut»


Maturanden mit ‘Alten Sprachen’ im Bildungsrucksack (Griechisch, Latein) gehören an der naturwissenschaftlich ausgerichteten ETH zu den Erfolgreichsten. Sie sind so gut wie Studierende, die ihre Matura mit Schwerpunkt Physik/Angewandte Mathematik erworben haben. ETH-Präsident Ralph Eichler fordert deshalb: «Bei der nächsten Maturreform muss das Latein wieder gestärkt werden.»

Auf die Frage, woran es denjenigen fehlt, die an der ersten Zwischenprüfung durchfallen, meinte Eichler: «Mein Befund ist überraschend: Diese Maturanden können sich sprachlich zu wenig präzise ausdrücken. Das ist entscheidend, weil in den Naturwissenschaften – sicher viel stärker als in der Literatur – jedes Wort eine genaue Bedeutung hat. Dieses Textverständnis lernt man im Gymnasium in der Mathematik und in den ‘Alten Sprachen’. Wer Latein oder Griechisch hatte, ist oft auch an der ETH gut.» Und auf die Frage, ob er denn nicht mehr Naturwissenschaften am Gymnasium fordere, meinte er dann: «Naturwissenschaften sind wichtig – auch für jene, die nach der Matura etwas anderes studieren. Sie sollen ebenfalls eine gute Allgemeinbildung haben. Wer aber zu uns kommt, muss vor allem logisches Denken gelernt haben. Wie viel Physik jemand zuvor hatte, ist zweitrangig.» (Tages Anzeiger, 5. September 2008). Ralph Eichler ist Naturwissenschafter und hat
selber eine altsprachliche Matur.

Neuste Untersuchung belegt diese Aussagen
Seit Januar 2009 liegt eine systematische Untersuchung der ETH-Basisprüfungen vor. Darin wird die Aussage des ETH-Präsidenten statistisch belegt.

«Es besteht eine Korrelation zwischen den gewählten Maturitätsschwerpunkten und den Noten bei der
Basisprüfung. Studierende mit den Schwerpunktfächern Physik/Angewandte Mathematik, respektive
Latein oder Griechisch erzielen die besten Noten bei der Basisprüfung, während jene mit den Schwerpunktfächern Wirtschaft & Recht am wenigsten gut abschneiden.»

Diese Tatsache wird in der Untersuchung folgendermassen interpretiert:
«Interessant scheint unter anderem die Tatsache, dass Maturanden mit den Schwerpunkten Latein/
Griechisch zu den erfolgreichsten Studierenden gehören. Hier dürften weniger die inhaltlichen Ähnlich-
keiten des behandelten Stoffes ausschlaggebend sein, als vielmehr grundlegende Fähigkeiten wie
logisches/strukturiertes Denken, welche sich sowohl in der Maturitätsnote niederschlagen wie auch für naturwissenschaftliche und technische Studienfächer von Vorteil sind.»


 

Texte und Meinungen:

fileicon LateinETH_Tagi_050908 (pdf, 69. KB)